Dienstag, 5. Mai 2015

Phoenicrus - Die Stadt der Verborgenen von Mirijam H.Hüberli




(Quelle: http://www.carlsen.de/sites/default/files/styles/layer_480/public/produkt/cover/9783646600964.jpg?itok=1RSTlINW)

Seitenzahl: 280
Genre: Jugendroman (ab 14 Jahren)
Erscheinungstermin: 2.April 2015
Fazit: Kaufempfehlung!


Als Zara eines Morgens noch hektisch für die Schule ein Buch aus dem Bücherregal ihrer Mutter herauszieht, damit sie nicht zu spät UND unvorbereitet in der ersten Stunde auftaucht, fällt ihr plötzlich ein brauner Briefumschlag in den Schoß. Neugierig geworden, was ihre Mutter da zu verstecken versuchte, öffnete Sie das Schriftstück und findet sich mit einer unerklärlichen Botschaft konfrontiert. In diesem Brief heißt es, ihre Familie wurde verfolgt und dass Zara eine Schwester habe, Yosephine. Beigelegt wurde dieser Nachricht ein altes Foto, darauf abgebildet ist Zara mit einem fremden Mädchen, das ihr sehr ähnlich sieht. Aber das kann doch nicht sein? Warum behautet der Verfasser so viel über ihre Familie zu wissen und wer ist diese Person überhaupt? Soweit Zara wusste war sie ein Einzelkind. Geschockt und verwirrt nimmt sie den Brief an sich und beschließt erst mal nur ihren Freunden von der mysteriösen Botschaft zu erzählen. Doch dazu kommt sie erst gar nicht, da sie überraschend einen Anruf von ihrem Großvater erhält. Als während des Gesprächs dann die Leitung plötzlich tot ist macht sich Zara große Sorgen und fährt sofort zu ihm, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Dieser ist glücklicherweise wohlauf, aber kaum hat sich Zara beruhigt fängt er unvermittelt an von dem Brief zu reden, den Zara am Morgen fand. Dabei hatte sie doch niemandem davon erzählt. Ihr Opa prophezeite, dass die kommen würden, um Zara mitzunehmen, wie sie einst mit Yosephine geschah. Nach längerem Hin und Her entscheidet sich Zara, zusammen mit ihrem Großvater, sich auf die Suche nach ihrer Schwester zu machen. Doch da hat sie die Rechnung nicht mir Ben gemacht. Dieser ist von Natur aus neugierig und als er von Zaras Plan erfährt ist er sofort Feuer und Flamme und schließt sich den beiden an.

Der Einstieg in die Geschichte ging eher schleppend voran. Ich kann gar nicht so genau sagen, ob es an dem Schreibstil lag oder einfach an dem normalen Anfangsgeplänkel, dass den Leser in die Welt einführen soll. Auf jeden Fall war ich nicht von Beginn an überzeugt, doch im Laufe des Lesens verdichtete sich der Handlungsstrang, Geheimnisse wurden gelüftet und neue Fragen tauchten auf, das steigerte bei mir das Lesevergnügen um eine Millionen Prozent und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. (Das ging mir genau so. Ich mag den Schreibstil sehr, aber an Anfang kam ich auch nicht richtig rein... Aber es lohnt sich weiter dranzubleiben, denn mit jeder Zeile wird es einfach nur besser und man kann am Ende nicht anders als alles zu lieben!)
Dieses beständige Aufkommen von Problemen, aber auch der zeitnahen Aufklärung jener, machte für mich den Schreibstil besonders. Normalerweise gibt es das eine große Mysterium, das bis zum Schluss ein großes Fragezeichen über dem Kopf des Lesers bleibt. Aber so war es in diesem Buch überhaupt nicht. Das machte die Geschichte sehr spannend und aufregend, weil selbst wenn der Leser ein Rätsel lösen konnte, so wartete das nächste nicht weit und meine Gedanken bleiben kontinuierlich in der Handlung gefangen. (Spannend war es allemal, vor allem hab ich vom Titel her einfach etwas ganz anderes erwartet und war dann total positiv überrascht, weil die Idee und die Geschichte einfahc noch besser war als meine Erwartung. Der Schreibstil war erfrischend jugendlich und sehr locker und flüssig, ich kam super gut durch das Buch.)
Die Protagonistin Zara ist ein sehr liebeswürdiges Mädchen. Leicht reizbar und mit vielen Ecken und Kanten ausgestattet bricht sie auf in ein spannendes Abenteuer, das ihre positiveren Eigenschaften hervorbringt, ihren Mut, ihre Loyalität und ihre Stärke. Sie ist vielleicht nicht die Klügste und bei weitem nicht fehlerlos, aber genau diese Charakterzüge empfand ich an ihr sehr sympathisch. Stereotypische und unerreichbar perfekte Hauptfiguren hat diese Welt wohl schon genug. (Zara *_* Ich mag sie einfach. Sie ist so lebendig, ehrgeizig und liebenswert, dass ich mich sofort in sie hineinfühlen konnte. Durch ihre Ecken und Kanten wurde sie mir nur noch sympathischer. Sie wirkt sehr real und gerade das macht sie so gut greifbar. Dadurch, dass sie selbst alles vergessen zu haben scheint, weiß der Leser genau so viel wie Zara und muss zusammen mit ihr alles herausfinden. Zara ist sehr gut dargestellt und wirkt auf mich kein bisschen Oberflächlich, ganz im Gegenteil hat sie sehr viel Tiefgang.)
Der Nebencharakter Ben – der Neue an der Schule, den Zara eigentlich nicht leiden kann – macht auch eine Wandlung während des Buches durch. Anfangs noch verschlossen lernt man ihn nur als arroganten Idiotien kennen, der sein Ego mehr liebt als alles andere. Aber je mehr sich Zara und ihre kleine Gruppe in das Abenteuer verwickeln lassen, desto näher kommen sich die beiden und Ben öffnet sich ihr. Die Geständnisse, die dabei zum Vorschein kommen sind ganz anders, als erwartet und ich finde, das zeichnet eine gute Figur aus. Jeder Mensch hat meiner Meinung nach mehr als eine Maske und manchmal öffnet man sich und zeigt wichtigen Personen, die eine Maske, die man selbst wahrhaftig ist. Dass diese nicht mit den äußeren Erwartungen nicht übereinstimmt ist nur normal und überzeugend, sonst wär das verstellen ja sinnlos. (Dazu hab ich nichts mehr zu sagen! :D Außer: ARRWO-Typ an die Macht. Er war neben Ben auch noch einer der Nebencharaktere, die die Sache sehr viel spannender machten!)
Ein weiterer wichtiger Charakter ist Zaras Großvater Alois. Er ist der schrullige und skurrile ältere Herr, den man erst für dement und durchgeknallt hält, aber dann feststellt, dass er die Welt besser durchblickt als jeder andere. Ich hab ihn geliebt, weil er unverkrampft, waghalsig und furchtbar stur ist.(Alois ist für mich einer der besten Charaktere! Wie Rosenrot schon sagte, ist er einfach da, wahr und lebhaft macht alles ein kleines bisschen verrückter und echter und einfach wunderbarer. Mirjam hat mir verraten, dass er ursprünglich mal sterben sollte, ich bin einfach nur froh, dass er nicht stirbt, denn wir hätten viele tolle Momente verpasst. Ich denke ohne ihn hätte die Geschichte weniger Witz und wäre nicht so genial wie sie im Endeffekt ist.)
Eine kleine Kritik hab ich allerdings doch noch anzubringen. Die Beschreibungen der Kulissen waren mir zu karg und lieblos ausformuliert. Durch den häufigen Ortswechsel muss das natürlich etwas hinter der Handlung zurückstehen, aber ein bisschen muss die Umgebung meine Meinung nach schon erwähnt werden. (Ist mir ehrlich gesagt nicht so sehr aufgefallen, weil ich das alles meiner Fantasie überlasse. Die für mich Wichtigen Dinge waren zur Genüge beschrieben, deswegen empfinde ich das nicht als Kritikpunkt.)
Da „Die Stadt der Verborgenen“ der erste Teil einer Trilogie ist, wie ich mir habe sagen lassen, möchte ich zum Ende gar keine Worte verlieren. Ich bin einfach gespannt auf den zweiten Teil.

Fazit: Mit vielen guten Ideen, einem sehr individuellen Schreibstil und einer sympathischen Protagonistin legt Mirijam H Hüberli einen guten Start hin, der mich nach anfänglichen Schwierigkeiten überzeugen konnte. Wer einer imperfekten Protagonistin also nicht abgeneigt ist und eine gute solide Fantasy-Geschichte wertzuschätzen weiß, wird mit diesem Buch seine Freude haben.

Fazit: Ein toller Start in eine Reihe auf die ich mich sehr freue. Band eins konnte mich mit seinen Charakteren und der geschichte hinter allem überzeugen und fesseln. Die Protagonisten beweisen Tiefgang und Stärke, haben aber auch Ecken und Kanten. Die perfekte Mischung. Ich kann Band 2 kaum noch erwarten und freue mich sehr. Good job Frau Hüberli, würde ich sagen :D

Allen Liebe
Eur Schneeweißchen und Eure Rosenrot

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