Donnerstag, 2. April 2015

Rezension zu "Mit uns der Wind" von Bettina Belitz


Nach dem Interview mit Bettina Belitz, konnten wir Mit uns der Wind kaum erwarten :)) Ihr kennt das Interview nicht? :O Oh Schreck, dann schaut schnell vorbei! --> INTERVIEW





  • Titel: "Mit uns der Wind"
  • Autor: Bettina Belitz
  • Verlag: Script5
  • Seitenzahl: 400
  • Genre: Jugendroman
  • Erscheinungstermin: 09.03.2015
  • Fazit: Schneeweißchen: KLARE Kaufempfehlung <3 <3 <3 - Rosenrot: O.K. für Zwischendurch

Prolog:






Seit ihrer Geburt lebt Mona mit einer Krankheit, die ihr das Leben ganz schön schwer macht. Narkolepsi, auch die Schlafkrankheit genannt, zwingt sie in die Knie. Bei jeder starken Emotion, außergewöhnlichen Situationen oder monotonen Tätigkeiten schläft Mona einfach ein. Sie kann nichts dagegen tun, sich nicht wehren. Ihre Eltern und ihr Bruder haben immer versucht sie zu beschützen, doch für Mona gleicht es eher einem goldenen Käfig aus dem sie nicht raus kann. Doch das soll sich jetzt ändern. Sie will unbedingt zu Rock am Ring und dort ihre Lieblingsband 30 Seconds to Mars sehen. Unvorstellbar für ihre Familie, doch Mona setzt sich durch und fährt mit Daniel und dessen Freundin zu dem Festival. Was sie jedoch keinem verraten hat: eigentlich fährt sie dorthin um endlich Han Ryu zu sehen, ihren Drachen, den sie eigentlich nur von Youtube-videos kennt.
Adrian, der eigentlich Han Ryu ist, hingegen weiß von alledem nichts, er will nur kiten, das Festival zu dem er mit seinen Freunden aufgebrochen ist genießen und endlich Helen flach legen. Doch alles kommt anders.



Ich hab mich so unglaublich auf „Mit uns der Wind“ gefreut, dass ich es kaum erwarten konnte mit dem Lesen anzufangen. (Ich bin eher mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen. Der Klappentext versprach eine interessante Geschichte, aber da mich „Vor uns die Nacht“ so sehr enttäuschte, begann ich mit einer guten Portion Skepsis zu lesen.) Durch das Interview mit Bettina wusste ich schon, dass die Geschichte aus zwei Sichten erzählt wird, was mir wirklich gut gefallen hat. (Das konnte ich nicht von mir behaupten, aber die Idee finde ich gut. Eine Geschichte aus zwei Seiten zu erzählen macht sie immer spannender.) Der Einstieg fiel mir diesmal jedoch etwas schwer, ich weiß gar nicht genau warum, aber ich bin nicht sofort in die Geschichte gekommen. Vielleicht einfach, weil Lenas Krankheit für mich totales Neuland war und ich noch niemals damit in Berührung gekommen bin? Wie gewohnt, war der Schreibstil jedoch flüssig und gefühlvoll. Als ich dann in der Geschichte war, bin ich auch nicht mehr davon los gekommen. Dadurch, dass ich auch etwas aus der Sicht von Adrian erfuhr, wurde die ganze Geschichte noch authentischer und ich hatte das Gefühl noch tiefer im Geschehen zu stecken, denn die beiden Geschichten verflochten sich miteinander und wurden zu einem großen Ganzen. (Bei mir gehen die beiden ersten Punkte Hand in Hand. Ich kam auch nicht sofort in die Geschichte rein, aber das lag bei mir schlicht am Schreibstil. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass der Stil der Autorin immer eigenwilliger wird. Die Geschichte an sich und die Protagonisten empfand ich zwar diesmal als wesentlich sympathischer, aber die übertrieben blumigen und metaphorischen Beschreibungen waren teilweise ein einziger Krampf. Alles wirkte ziemlich konfus und sehr esoterisch. Zudem glaube ich nicht, dass ein normaler Jugendlicher dermaßen schwülstig in seinen Gedanken formuliert. Es erschien alles unpassend und unrealistisch.)
Mit Mona tat ich mich wie gesagt am Anfang schwer. Sie war für mich zuerst unnahbar und irgendwie verschwommen. Ich bekam sie nicht richtig zu fassen, dass änderte sich jedoch mit jeder Zeile und nach dem ersten Kapitel war ich total neugierig auf sie und sehr fasziniert. Sie eroberte mein Herz im Sturm und ich wollte wissen wie es mit ihr weiter geht. Von der Familie behütet aufzuwachsen kann Fluch und Segen zugleich sein. Genau so ist es auch für Lena. Sie liebt ihre Familie über alles, doch sie will jetzt endlich etwas alleine machen. Das konnte ich total nachvollziehen und hab nach den ersten Kapiteln total mit Lena mitgefiebert. Dieses verschwommene ihres Charakters blieb jedoch. Ich glaube aber, dass das so gewollt ist, den Lenas Leben ist meinst selbst etwas verschwommen, durch ihren Schlaf fehlen ihr oft Passagen, grandios dargestellt. Einfach unglaublich. Bettina Belitz hat einen mutigen, starken und trotz ihrer Krankheit(vielleicht auch gerade deswegen ;)) außergewöhnlichen Menschen geschaffen. Monas Krankheit an sich kannte ich nicht wirklich, ich wusste, dass es sie gibt und wie eine Attacke ausgelöst wird, doch wie es ist damit zu leben, war mir völlig fremd. Umso beeindruckter war ich von den Beschreibungen der Autorin. Alles war so klar und einfach, gleichzeitig jedoch auch bildlich und blumig geschildert, dass ich es mir richtig gut vorstellen konnte. Wahrscheinlich habe ich immer noch nur einen kleinen Anteil der Krankheit wirklich verstanden, aber ich hab immerhin ein Gefühl dafür bekommen. (Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Mona ist auch für mich ein sehr sympathischer Charakter der definitiv seine Faszination auf den Leser ausübt. Nur leider trübt auch hier der Schreibstil ein bisschen das Bild. Dieses „Verschwommene“ wie Schnee oben erwähnte ist mir auch aufgefallen, aber dies kann ich nur auf die extrem abstrakte Art zu Schreiben zurückführen. Teilweise empfand ich Mona als sehr naiv, deswegen konnte ich nicht zu 100%, was mir ihr anfangen. Doch ich glaube ihre romantische Ader in Verbindung mit ihrer unschuldigen Sicht auf die Welt macht genau den Reiz ihrer Person aus. Sie ist manchmal wie ein kleines Kind, das in die große weite Welt hinaus will, egal ob mir Plan oder ohne. Aber wer wünscht sich nicht zeitweise wieder in Kinderschuhen zu stecken und die Welt durch eine rosarote Brille zu sehen. Ich habe es sehr genossen Stück für Stück mehr in Monas Leben einzutauchen und mich von ihrer ganz eigenen besonderen Art, mit ihrem Leben und ihrer Krankheit umzugehen, fesseln zu lassen. Vor dem Buch wusste ich rein gar nichts über Narkolepsie und die Autorin hat meiner Meinung nach sehr gut den Umgang und die Herausforderungen mit der Krankheit vermittelt. Monas freiheitsliebender Charakter unterstrich die starken Einschränkungen, die jemand hat, der sehr oft in Ohnmacht fällt, nur noch. Ihre Art die Umwelt wahrzunehmen und ihre Art mit ihrer Krankheit umzugehen war also wie Tag und Nacht. Dieser Kontrast zwischen naivem Nesthäckchen und der unerschütterlichen Entdeckerin, machte das Buch für mich aus. Sie passte also Perfekt ins Bild. )
Bei Adrian war das genau umgekehrt. Ich hatte das Gefühl ihn sofort zu kennen und er war ein wirklich angenehmer Charakter. Doch auch seine Weste war nicht ganz so weiß wie es zuerst schien. Mit jeder Seite die ich las, erfuhr ich mehr über ihn und mir wurde klar, dass nicht immer alles so ist wie es scheint. Denn auch er ist ein Kerl mit Ecken und Kanten, was ihn wirklich authentisch macht. Jedoch machte er es mir dadurch auch etwas schwerer ihn zu verstehen und seine Handlungen nachzuvollziehen. (Adrian war der absolute Gegenpol zu Mona. Er und seine Liebe zum Kitesurfen erwecken im Leser einen ganz einzigartigen Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Er ist der lebensnahe, starke  und vor Leben strotzende Surfer, der mit seinen Internetvideos Tausende begeistern kann. Ich muss gestehen, ich bin auch etwas wehmütig geworden, als seine Stunts beschrieben wurden und was er in solchen Momenten empfand. Das Klang für mich wie das ultimative Gefühl von im Augenblick Leben. Man ist mit sich und Welt im Einklang, man spürt den Wind und das Adrenalin und glaubt, dass alles möglich ist. Doch trotz der Tatsache, dass man aus der Sicht von Adrien praktisch live erfährt, was er denkt und fühlt blieb er für mich bis zu den ersten hundert Seiten unnahbar und undurchschaubar. Was seine Ziele und Träume und Vorstellungen von der Welt sind blieben im Dunkeln. Er liebt das Surfen, klar, aber eine Sache macht noch lange keinen Menschen aus. Er war wie ein großes kitesurfendes graues Etwas, das man erkunden wollte.)
Aber auch alle Nebencharaktere sind toll gezeichnet, haben ihre eigene Geschichte und werden gut dargestellt. (Die beiden neuen Freundinnen, die Mona bei Rock am Ring kennenlernt sind einfach großartig. Ich mochte es, dass sie ihre ganz eigenen Geschichten hatten und so starke beeindruckende Charaktere waren, die man selbst gerne als Freunde hätte. Aber auch der Bruder von Mona, war etwas Besonderes. Beide werden erwachsen entwickeln sich auseinander, aber lieben sich noch wie Kinder. Das war süß anzusehen, auch wenn sie sich oft missverstanden. Aber so ist Geschwisterliebe nun mal, sie vergeht niemals.)
Das Setting, war für mich total neu. Ich war selber noch nie auf einem Festival, geschweige denn bei Rock am Ring. Doch auch ich konnte mir durch all die guten und vor allem detaillierten Beschreibungen sehr gut vorstellen, wie es dort zugehen muss. Sehr gut beschrieben, ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl außen vor zu sein, ganz im Gegenteil. (Die Kulisse war wirklich mal etwas anderes. Ich war selbst letztes Jahr bei Rock am Ring und fand es interessant, wie die Autorin die Situation beschrieb. Das Campingfeeling kam definitiv auf, aber die Art wie die Leute miteinander umgehen und die vielen kleinen Insider, die nur ehemalige Rock-am-Ringer kennen, wurden leider ausgespart. Das zerstörte zwar nicht das gute Festivalfeeling, aber die Authentizität ging verloren, zumindest wenn man von Rock am Ring spricht.)
Mitten im Buch gibt es eine Wendung, die ich so nicht erwartet hatte, mir jedoch richtig gut gefallen hat, auch wenn ich zuerst dachte dadurch würde alles kaputt gehen, hatte es genau den gegenteiligen Effekt. Es hat alles besser gemacht. Das Geflecht, das sich um die Beiden gespannt hatte wurde nur noch echter und ehrlicher, richtig greifbar.
Das Ende war auch etwas unerwartet und wie immer sehr offen, aber gerade noch so weit aufgeklärt, dass ich als Leser damit zufrieden war. (Das Ende macht fast die komplette Geschichte zunichte. Ich kann es einfach nicht leiden nicht anständig aus einer Geschichte entlassen zu werden. Manchmal haben abrupte Enden ja ihren Sinn, aber in diesem Buch hab ich keinen gesehen. Das war frustrierend, aber vor allem enttäuschend.)

Fazit: Ein Roman der seinen Vorgängern in nichts nachsteht. Der Flüssige und blumige Schreibstil nahm mich gefangen und spuckte mich erst am Ende wieder aus. Ein Buch, das nicht nur mit seinen tollen und starken Charakteren sondern auch seiner authentischen Geschichte überzeugen kann. Lesespaß, der einen so schnell nicht mehr los lässt und bei dem Realität und Magie zu verschwimmen scheinen.

Fazit: Leider konnte dieser Roman der „Splitterherz-Trilogie“ und „Linna singt“ nicht das Wasser reichen, dennoch war die Geschichte gut durchdacht, brachte durch die Krankheit Narkolepsie einen interessanten Faktor hinein und bis auf das enttäuschende Ende hab ich ständig mit Mona mitgekämpft und mich gerne in den Träumen von Adrien beim Surfen verloren. Von den Nebencharakteren war ich begeistert, vom Schreibstil eher weniger. So gesehen hält sich alles unterm Strich die Waage. Lest das Buch einfach selbst und bildet euch eine eigene Meinung.

Märchenhafte Grüße
Eur Schneeweißchen und Eure Rosenrot

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