Donnerstag, 4. Dezember 2014

Rezension zu In Liebe, Eloise von Julia Quinn


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Das große Geheimnis um Lady Whisteldown wurde endlich gelüftet, doch bei all dem Trubel bemerkte niemand, dass die gute Eloise Bridgerton während des Enthüllungsballs mit ihren Gedanken ganz woanders war. Nämlich in einer Kutsche auf dem Weg in eine entlegene Landgrafschaft. Schon seit einigen Monaten steht Eloise im Briefwechsel mit einem entfernt bekannten Earl der Familie Bridgerton, Sir Phillip Crane. Dieser ist seit dem Tod seiner Frau mit seinen beiden durchtriebenen Zwillingen maßlos überfordert und findet seit dem schrecklichen Ereignis zum ersten Mal Trost in einer Aufgabe, dem Schreiben mit Eloise. Doch was als Kondolenzbekundung auf Seiten der Miss Bridgerton begann wurde bald schon eine innige Freundschaft, in der sich die beiden über Botanik und Pflanzen austauschten. Eloise erschien dem Earl so unkompliziert, authentisch und liebenswert, dass er eines Tages all seinen Mut zusammennahm und ihr einen Antrag machte. Außer der natürlichen Zugewandheit der beiden erschien ihm eine Ehe mit Eloise auch plausibel, weil er dringend eine Mutter für seine unbezähmbaren Kinder suchte. Als diese aber auf sein letztes Schreiben nicht antwortete schwand Phillips Hoffnung zunehmend, bis zu dem Tag an dem Eloise aus heiterem Himmel vor seiner Türschwelle auftauchte. Etwas verwirrt durch den überraschenden Besuch ließ er sie erst einmal ein und bedachte dabei nicht, dass durch diesen Moment Eloise guter Ruf großen Schaden nahm, da keine Anstandsdame anwesend war. Als Anthony, Colin und Benedikt von der neuesten Aktion ihrer Schwester erfuhren, waren sie außer sich vor Zorn und Sorge, wegen Eloise Ansehen in der Gesellschaft und ihrer Sicherheit. Logische Bridgerton-Folge: Sie eilten so schnell sie konnten zu dem besagten Earl und zwangen ihn Eloise zu heiraten. Die war von dieser Sache ganz und gar nicht erfreut, da sie zwar herausfinden wollte, ob sie sich in Phillip verlieben könnte, sich aber noch nicht entschieden hatte. Leider hatte sie keine Wahl und willigte ein. An den Folgen ihres Ja-Wortes würde sie noch lange zu knabbern haben, denn eine Ehe besteht aus mehr als Liebe.

Eloise ist, nach Hyacinth, wohl die draufgängerischste Bridgerton in der Familie. Sie hat Mumm, ein freches Mundwerk und eilt oft zu unüberlegt. In diesem Stil begann auch gleich das Buch. Eloise sah sich kurz vor ihrem 28. Lebensjahr und damit kurz davor den wenig ruhmreichen Titel alte Jungfer verliehen zu bekommen. Aus Verzweiflung machte sie sich deswegen zu Philip auf und genau diese Torschusspanik ließ sie extrem sympathisch wirken, da sie alles auf eine Karte setzte, auch wenn sie wusste, dass es ein Fehler sein könnte. Sie zeigte viele ihrer liebenswerten Facetten. Einmal war sie die unbändige freche Tochter, dann die verständnisvolle Freundin und in anderen Situationen wiederrum die leidenschaftliche Ehefrau. So kann man sich leicht mit ihrem vielseitigen Charakter identifizieren. Am besten aber gefiel mir die Wandlung von Eloise in ihrer Ehe mit Phillip. Normalerweise werden in solchen Büchern die Casanovas von den Frauen gezähmt, aber hier war es genau anders herum. Phillip zähmte sie. Was mich zu einigen witzigen gedanklichen Kommentaren verleitete und die ganze Geschichte noch besser machte. Denn nach dem klassischen Aschenputtel-Buch von Penelope (welches ich auch sehr geliebt habe), war Eloise erwachsene Geschichte eine schöne Abwechslung, um mich aus meinem Märchentraumland wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Über die Kulissen kann ich keine Klagen verlauten lassen. Wie immer wurde nicht zu wenig und nicht zu viel beschrieben. Alles erstrahlte im dem herrschaftlichen Glanz der aristokratischen Regency-Zeit. Nur ein kleines Manko möchte ich anbringen und das ist die mangelnde Anwesenheit der Bridgertons. SPOILER!!!! Ihr könnt euch sicherlich gut vorstellen, wie Anthony, Benedikt, Colin und der pubertierende Gregory die heiligen Hallen von Phillip wie eine Horde tollwütiger Hammel stürmen und ihm eins auf die Nase geben, nur um ihn anschließend zu zwingen ihre Schwester zu heiraten – göttliche kann ich euch sagen! –, aber leider tauchte die Familie nur in zwei weiteren Sequenzen dieser Geschichte auf, was doch ein bisschen wenig für mein Bridgerton-süchtiges Herz war. Dazu hätte ich mir auch eine Aussprache zwischen Penelope und Eloise gewünscht, in der die beiden über den einen Abend sprechen, an dem sich ihr beider Leben auf dramatische Weise veränderte. Die eine besiegelte ihr Schicksal mit ihrer Flucht zu Phillip und Penelopes Identität als Lady Whisteldown wurde gelüftet. SPOILER ENDE!!!! Apropos: Wegen der Tatsache, dass Lady Whisteldown – sie fand ihr Happy End im vorangegangen Buch und legte in diesem ihre Schreibfeder als Klatschkolumnistin offiziell nieder - von nun an nicht mehr jedes Kapitel schmücken würde, war ich sehr skeptisch wegen der Gestaltung der Geschichte, wurde aber nicht enttäuscht. Mit Freude hab ich die kleinen Ausschnitte aus den Briefen zwischen Phillip und Eloise wahrgenommen, die an jedem Kapitelanfang ihren Raum im Buch bekamen. Sie zeigten die beiden aus einer sehr intimen und dadurch interessanten Perspektive. Der damaligen Version einer Internetbekanntschaft könnte man sagen. Sie haben einander niemals gesehen und vertrauten sich doch ihre geheimsten Wünsche und Sorgen an. Mit einem Schmunzeln habe ich gedacht, dass sich die Welt gar nicht so sehr verändert hat. Sie ist nur ein wenig schneller geworden. Der Handlungsbogen hält, was der Name Julia Quinn verspricht: Eine frühe Heirat, viel Liebe und einen ungewöhnlichen Höhepunkt. Gerade in diesem Buch hat die Autorin, finde ich, viel Reife gezeigt. Ein Mann mit Anhang (seine Kinder) ist ein komplett anderes Kaliber, als ein ungebundener Lebemann. Philip war in vieler Hinsicht der Vernünftigste männliche Protagonist, den Frau Quinn jemals erschaffen hat. Er hatte seine gräflichen verantwortungsvollen Pächterpflichten zu erledigen, seine Kinder zu bändigen – was ihm eigentlich niemals gelang –, über den Tod seiner Frau hinwegzukommen und dabei ständig mit einem Auge nach einer potenziell passenden Kandidatin als Stiefmutter für seine Kinder Ausschau zu halten. Ganz schön viel auf einmal für einen einzigen Mann. Außerdem schickt Quinn mit ihm eine sehr nachdenklichen Person ins Rennen, den das Leben durch die Krankheit seiner Frau und frühere Leiden gezeichnet hatte. Zu Beginn hat man dabei das Gefühl, dass eine so gequälte Seele gar nicht zu der ruhelosen und aufbrausenden Eloise passt, doch ob sie tatsächlich zusammen gehören oder nicht muss jeder Leser selbst herausfinden.

FAZIT: Ich vergebe trotz der kleinen Kritik in der Mitte meiner Rezension 5 von 5 Rosen für „In Liebe, Eloise“. Ich hatte mich ja nach dem überragend gutem Buch von Penelope schon seelisch und moralisch auf einen tief Fall gefasst gemacht und schlug weich auf einem Federkissen inmitten eines riesigen Bettes wohlbehütet auf – um es mal in einer netten Metapher darzustellen. Mit ihrer Gewandtheit und Raffinesse überrascht mich Julia Quinn immer wieder und so schlage ich mittlerweile ihrer Bücher mit der Gewissheit auf, dass ich sie einfach lieben werde, egal welche Geschichte sie mir diesmal erzählt. Kauft euch nicht das Buch, sondern gleich die ganze Reihe. Der Suchtfaktor ist praktisch vorprogrammiert.

Ich verzichte hinter jeden deiner Abschnitte zu schreiben, das seh ich genau so – den genau so ist es, ich stimme zu 100% mit dir überein :O – und gehe sofort dazu über mein Fazit zu schreiben. 

Fazit: Für Liebe, Romantik, Humor und genau die richtige Prise an Leidenschaft, vergebe ich 5 von 5 Schneeflocken. Dieser Band steht den anderen in nichts nach und ich habe jede Sekunde genossen. Julia Quinns Schreibstil fesselte mich. Ich flog durch die Seiten und konnte einfach nicht anders als weiter zu lesen, weiter und weiter und weiter. In absolutes Muss für alle die mit der Reihe angefangen haben. Auch nach all den Bänden ist es nicht langweilig und jeder Band überrascht mich aufs Neue. Ich bin wirklich gespannt was da noch kommt. 

Alles Liebe 
Eure Rose und Eure Schnee

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