Mittwoch, 23. Juli 2014

Filmbesprechung zu North and South (BBC)


Für die junge Margaret Hale verändert sich alles. Durch die radikale Entscheidung ihres Vaters, sich seinem derzeitigen Pristeramt abzuwenden und der Kirche endgültig als Geistlicher den Rücken zu kehren, sind alle Familienmitglieder der bescheidenen Familie Hale gezwungen umzuziehen. Vorbei ist es mit dem idyllischen Leben im südlichen England der altehrwürdigen Grafschaften. Der Neuanfang soll in einer typischen Idustriestadt beginnen, Milton. Einmal quer durch das ganze Land geschleppt fühlen sich Margaret und ihre Mutter sehr unwohl in der neuen Umgebung. Die erwählte Heimat scheint aus nichts außer Dreck, Krach, Geschrei und grauen Fabriken zu bestehen. Doch anfangs noch schockiert von den Bedingungen unter denen die Menschen in Milton leben, beginnt Margaret mit der Zeit ihren wohlbehüteten Blick abzulegen und sich für die dortigen Missständte zu interessieren. Sie entschließt sich etwas gegen die Umstände der Bevölkerung zu unternehmen. Zu Anfang will sie den befreundeten Fabrikbesitzer ihres Vater, John Thornton, davon überzeugen bessere Arbeitsbedinungen für seine Mitarbeiter zu schaffen. Aber der hält sehr wenig von den Einmischungen einer Lady aus dem Süden, die zumal nichts von seinem Geschäft versteht.
Margarets unerschütterliches Temperament hingegen duldet kein Nein. Sie beschließt auf anderen Wegen den Menschen zu helfen. Sie freundet sich mit einigen Familien aus der Unterschicht an und unterstützt diese so gut es ihr möglich ist.
Eines Tages jedoch ist selbst Maragert gezwungen ihre Waffen zu strecken. Schwer getroffen durch einige herbe Schicksalsschläge zieht sie in den Süden zurück. Doch dort fühlt sie sich nicht mehr heimisch. Sie vermisst die Mentalität der Menschen aus Milton und kann mit ihrern früheren Freundschaften nur noch wenig anfangen. Trübselig und enttäuscht lebt sie in den Tag hinein, bis sie eines Tages die Chance zum Handeln bekommt. 

Der verfilmte Roman von Elisabeth Gaskell ist durch und durch ein BBC-Klassiker, mit all den Versprechungen, die dieser Titel mit sich bringt.
Eine tiefsinne, echte und grausame Welt spiegelt sich in den Bildern jeder einzelnen Szene wieder und somit wirkt er komplette Film sehr authentisch und klar. Zu verdanken ist das wohl vor allem der großartigen Schauspielkunst einiger renomierter Akteure. In der Hauptrolle der Margaret Hale, gespielt von Daniela Denby-Ashe, wird uns eine starke aber gleichzeitig auch verängstigte Lady aus dem Süden Engalnds präsentiert, die so gut es geht sich den neuen Gegebenheiten ihres Lebens öffnet und versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Damals hatten Frauen keine Rechte, was Land, Besitz oder Geld betraf. Also konnte eine Frau wie Margaret nur den ganzen Tag im Haus sitzen, lesen, Teekränzchen geben und sich zu Tode langweiligen. Aber genau das tut sie eben nicht. Überzeugt in Szene gesetzt weiß Denby-Ashe wie hart und wie zart eine Frau auf solche Umstände reagieren muss. Wirklich überzeugend dargestellt.
Aber auch andere Schaupieler gaben eine Glanzleistung ab, meiner Meinung nach. Ganz vorne mit dabei Richard Armitage, der John Thornton spielt. Der Kerl versteht es wirklich den grisgrämigen und ebenso liebenwürdigen Fabrikbesitzer zu geben. Es kam mir vor, als wurde ihm diese Rolle auf den Leib geschneidert. Zu seinen Geschäftskollegen und manchmal auch Margaret gegenüber war er der skurpellose Ökonom, einzig auf seinen Vorteil bedacht, doch in vielen kleinen clever eingespielten Sequenzen, merkt der Zuschauer wie seine Fassade Stück für Stück bröckelt. Gut fand ich dabei, dass sich dieses Verhalten erst im Laufe des Geschehens enthüllte. Eine extreme Veränderung seines Charakters hätte keinen Sinn gemacht. So wirkte es authentisch und vielschichtig.
Die Handlung an sich hat sich stark nach dem Roman gerichtet, was mir ein inbrünstiges HALLELIJA! entlockte. Buchverfilmungen sollten einfach auch BUCHverfilmungen sein und keine halb dazugedichteten Märchen, die irgendwie noch im Kern dem eigentlichen Buch ähneln. Barvo!
Trotz der extremen Länge, die stolze 208 Minuten beträgt, wirkte die Miniserie auf mich nicht schleppend oder langweilig. Die Zeit benötigt die Geschichte einfach, um erzählt zu werden. Gerade durch die lange Lauftzeit ist es der Handlung möglich sich in viele Bereiche auszuweiten und bestimmte Randthemen anzusprechen, die zum großen Gesamten einen wichtigen Beitrag geleitstet haben. Dadurch wirkte die ganze Atmosphäre und die Handlung abgerundet und komplex und Situationen konnten realitätsgetreu nachgestellt werden.
Die Hintergrundgeschichte hat mich dabei am meisten fasziniert. Irgendwann ging es nicht mehr nur um Margaret sonden um die Schicksale aller und wie sie schlussendlich zueinander fanden. Revolution, Straßenkämpfe, Gewerkschaftstreffen, Lieferverzögerungen. Ganz egal wie "lanweilig" oder aufregend ein Thema war, ich bin wie gebannt an den Lippen der Figuren gehangen, weil mit jeder Geste, mit jedem Satz ein weiteres Puzzelteil an seinen Platz gerückt ist.
Die Kulissen sind mit das Beste an der ganzen Produktion. Aufwendig inszeniert - zumindest für meinen Laien-Blick in Sachen Ausstattung - wird jede Szene durch historisch getreue Einzelheiten festgehalten und perfektioniert. Die Kostüme, die Straßenbeleutung, manchmal die unheimliche Stille erzeugt durch ein Kratzen im Hintergrund oder einfach ein normaler Salon im Hause Hale, alles ist aufeinander abgestimmt. So viel Liebe zum Detail hab ich lange nicht gesehen.
Noch ein kleines Highlight von mir zum Schluss. Mein Lieblingszitat: "Ich glaube ich habe die Hölle gesehen und sie ist weiß, schneeweiß."

Fazit: BBC hat es einfach drauf und dafür gibt's - wie nicht anders zu erwarten - 5 von 5 Rosen. Großartige Kostüme, eine brilliante Buchverfilmung (der Handlung des Romans entsprechend), viel Dramatik und eine wirklich überzeugende Besetzung machen für mich die Sache glasklar. Schaut euch den Film an. Egal ob ihr historische Filme mögt oder nicht, egal ob ihr Romanzen mögt oder nicht, der Film hat einfach alles ohne von irgendetwas zu viel zu haben. Macht das Sinn??? - Schaut ihn einfach! :)

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Trailer:



Alles Liebe
Eure Rose

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