Dienstag, 1. Juli 2014

Filmbeprechung zu Austenland


Jane Hayes ist seit gefühlten Äonen von Jahren immer noch alleinstehend. Völlig gefangen in der Welt von Jane Austen hat sie nur Pech mit den Männern. Sie wünscht sich mehr Anstand und Romantik für ihr Leben, doch ein Mr. Darcy scheint keiner ihrer potenziellen Kandidaten zu sein. Also wagt sie eines Tages einen großen Schritt. Sie verkauft ihr Auto, nimmt all ihr Erspartes und beschließt eine teure Reise in die Heimat von Lizzy und co zu unternehmen. Das schöne England ruft. Dort hat sie eine Regency-Farm entdeckt, die es Frauen ermöglicht eine Zeit lang in der Welt des vicktorianischen Adels zu leben. Ein wunderschönes Haus dient als Kulisse und alle Schauspieler spielen ihre Rolle perfekt. Keine Handys, keine Elektrizität und natürlich eine außergewöhnliche Romanze sind im Packet inbegriffen. Voller guter Hoffnung und begierig auf die Erfahrung einer „Zeitreise“ erhofft sie sich eine Woche lang in der Welt leben zu können, für die ihr Herz schlägt.
Doch dort angekommen wird sie recht schnell von ihren Illusionen befreit, denn sich in ein Korsett zu zwängen, auf einem Pferd zu reiten und langweilige Gesellschaft zu bestreiten ist gar nicht so einfach, wie es in Austen’s Bücher immer dargestellt wird. Zumal sie das günstigste Paket gebucht hat, was ihr, sagen wir mal, die Situation erschwert.
Aber was wäre eine Parodie auf Austen, gäbe es keinen Mr. Darcy und keinen Mr. Wickham?! Beide sind in gewisser Weise vertreten, die Frage ist nur: Wer ist wer?

Wo soll ich nur anfangen? Dieser Film ist einfach genial! Ich hab praktisch pausenlos gelacht. Parodien auf Stolz und Vorurteil sind mir eigentlich zuwider, weil ich schon viele versaute Darstellungen gesehen hab, sei es auf indisch, amerikanisch oder sogar mit Zombies. Nein, danke!
Aber in diesem Film ging es nicht darum sich über diese Welt lustig zu machen, sie auf ihr Grundgerüst herunter zu brechen oder sonstige abartige Verstümmelungen aus dem Klassiker zu machen, sondern die Probleme und Parallelen mit der heutigen Zeit auf unterhaltsame Weise aufzuzeigen.
Die Hauptprotagonistin Jane ist sehr liebenswert. Ein bisschen peinlich ist es schon, dass sie ihre komplette Wohnung mit Merchendise Artikeln von BBC-Verfilmungen vollgestopft hat. Aber ihre ehrlichen Art ist auch sehr sympathisch. Unglücklich mit ihrem Singledasein beschließt sie ihre Situation in die eigenen Hände zu nehmen, als weiterhin auf ihren Traummann zu warten. Zugegeben, sie ist ein schwieriger Charakter für einen Durchschnittsmann, aber eine Jane will so einen auch gar nicht. ;)
Mit viel Witz, Charme und einer Extraportion Authentizität hat sie mich schnell als großen Fan ihrer Person für sich eingenommen. Sie ist trotz der merkwürdigen Umstände auf dem Anwesen in England eine eigentlich sehr bodenständige Person, die grade durch diese Maskerade merkt, dass im Grunde ihres Herzens nicht die Kleider und Kulissen sie so sehr an der vergangenen Zeit faszinieren sondern der Umgang miteinander. Und da bin ich auch ein bisschen Jane. Außerdem finde ich, dass trotz der linkischen Art eines Austen-Klischees auch eine weitreichendere Belehrung in der Verkörperung ihrer Person steckte. Die Menschen waren damals einfach viel höflicher, rücksichtsvoller und haben es nicht als gut angesehen sich wie die hinterletzten Schweine aufzuführen. Ich würde zwar nie im 18. Jahrhundert leben wollen, allein weil es seinerzeit um die Frauenrecht so schlecht stand – und um fließendes Wasser auch -, aber einem derartigen Ausflug, wie in Jane macht, wäre ich durchaus zugeneigt.
Die Nebencharaktere waren genauso witzig. Eine gute Freundin von Jane ist Ms. Charming, eine korpulente Dame in den mittleren Jahren, die Jane am Flughafen auf dem Weg zum Anwesen kennenlernte. Diese durchgeknallte und liebenswerte Dame ist echt zum totlachen. Sie ihr laut und vulgär und verleiht dem ganzen Film viel Schwung und Eigencharakter. In einigen Szenen war sie aber auch die gute Fee von Jane. Gespielt wird sie von der legendären Jennifer Coolidge. Sie ist in ihrer Rolle begnadet. Die zu stark gebotoxte männergeile alte Lady zu geben scheint ihre wahre Berufung zu sein. Nicht böse gemeint! Manche von euch kennen sie vielleicht aus Serien wie Two Broke Girls oder aus den American Pie Filmen. In letzteren nahm sie die Rolle von Stiflers Mom ein. Na, klingelt‘s? Die beiden Männer die jeweils Mr. Wickham und Mr.Darcy verkörpern – ich verrate jetzt nicht ihre Namen ;) – sind gut gezeichnet und zeitgemäß. Keine Angst – für alle Stolz und Vorurteil-Kenner – Darcy bleibt auch in dieser Version eines Austen-Verkupplungsdramas ein griesgrämiger attraktiver Eigenbrödler. ABER, wie jedem bekannt sein dürfte, der die Filme oder Bücher liebt, bleibt er das nicht lange. Seine Person steht jedoch gar nicht so im Vordergrund. Die Charaktere die am meisten dominieren sind eher humorvoller Natur. So ist der Film auch eher eine Komödie als ein Drama. Zitate, wie das folgende, können meine Annahme nur untermauern: „…. Meine kleine Kumquat.“ – seeeeeeehr regency-like ;) Während des Films hatte ich oft das Bedürfnis „Englishman in New York“ von Sting zu singen. In vielerlei Hinsicht passt der Text des Liedes wie die Faust aufs Auge zu der Handlung.
Alle Personen haben einen sehr starken Charakter und keinen einzigen würde ich missen wollen.
Die Handlung an sich war temporeich, interessant und locker fluffig. Einfach gute Unterhaltung zum Lachen. Es gibt viele verschiedene Sequenzen die zwar nicht historisch getreu sind, aber unheimlich gut in die Geschichte passen, z. B. die Schießstunde bei einer Jagd oder ein kleines Theaterstück das aufgeführt wird. Das ist allerdings mehr ein amüsantes Theater, als wirklich ein Stück, da keiner der Schauspieler wirklich Talent für die Bühne besitzt. So ist jede Szene individuell für sich ausgesprochen gut gemacht.
Und abschließend ist nur noch zu sagen, dass der Abspann den ganzen Film auf die bestmöglichste Weise repräsentiert. Mit „It’s gettin hot in here“. R‘n B und Jane Austen? Aber klar! Ich bin begeistert.

Fazit: Die Mischung aus Aschenputtel, satirischer Komödie, frustriertem Single, ewiger Romantikerin untermalt mit Liedern aus den 80ern ist schlicht und ergreifen großartig. Verdiente 5 von 5 Rosen erhält Austenland von meiner Seite aus. Ein MUSS für jeden Austen-Fan und sogar jeden Austen-Verächter. 

zu kaufen bei amazon.de

Trailer:


Eure ergebene Rezensionsschreiberin
Rosenrot Grimm

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen