Dienstag, 24. Juni 2014

Rezension zu Wie verführt man einen Lord? von Julia Quinn




Nachdem seine große Schwester und sein ältester Bruder nun glücklich den Bund der Ehe eingegangen sind, ist Benedikt Bridgerton der absolute Mittelpunkt der Bemühungen seiner Mutter Violet. Wie alle Bridgerton vor ihm ist er eigentlich auch nicht so erpicht darauf zu heiraten, aber eines Abends trifft er auf einem Ball eine mysteriöse maskierte Dame, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Verzaubert von ihrem Anblick entführt er seine Auserwählte auf einen entlegenen Balkon und küsst sie. Die eben erwähnte Dame ist Benedickts Bemühungen durchaus zugetan, doch so sehr sie auch bleiben möchte, ihr stet, wie jedem Aschenputtel kurz nach der Begegnung mit ihrem Traumprinzen, noch eine unerledigte Aufgabe bevor. Um Punkt Mitternacht muss sie den Ball verlassen und nach Hause kommen, damit die böse Stiefmutter ihr Verschwinden nicht bemerkt. Mithilfe all ihrer guten Feen schafft sie das auch, aber eines ist in der viktorianischen Gesellschaft klar: Heirate niemals unter deinem Stand.
Also macht sie sich wenig Hoffnung Benedikt wiederzusehen.
Der ist aber bis über die Ohren verliebt und schießt alle gesellschaftlichen Regeln in den Wind, um die unbekannte Schöne vom Maskenball wiederzufinden. Doch niemand scheint sie zu kennen und so bleibt seine Suche erfolglos, bis sich ihre Wege eines Tages unverhofft kreuzen. Aber genau dann erkennt er sie nicht.

Der dritte Teil der Bridgerton-Reihe ist nicht minder gut, als seine Vorgänger. Die Geschichte ist zwar eine altbekannte, aber die Version eine gänzlich neue.
Ganz im Stil des alten Klassikers nimmt Julia Quinn die Liebesgeschichte zwischen dem armen Mädchen und dem reichen Prinz auf und mischt ein wenig vicktorianischen Stil darunter und garniert das Ganz mit einer großen Portion Verwirrungen.
Als wäre es für Benedikt nicht schwer genug sich allmählich damit abzufinden, dass er die mysteriöse Frau vom Ball nicht mehr wiedersehen wird, muss er auch noch feststellen, dass er immer mehr Gefühle für ein ganz andere Frau zu hegen scheint.
Sowohl Benedikt als auch Sophie, der weibliche Part des Traumpaares, um das es sich dreht, werden überaus authentisch und warmherzig gezeichnet. Sophie mit ihrer schüchternen, aber doch in seltenen Fällen selbstsicheren Art gewinnt den Leser schnell für sich. Ihre Gefühle entsprechen nicht immer ihren Handlungen, aber genau diese Unklarheit macht ihren Charakter interessant und teilweise unberechenbar. Auch der ständige Kampf gegen ihre Stiefschwester und das schwere Schicksal, dass sie als Bastard gebrandmarkt ist, ringen mir Bewunderung ab. Sie wird praktisch ständig angefeindet, beschimpft und als minderbemittelt behandelt, dabei erträgt sie das alles mit einer unglaublichen Fassung. (Sophie empfand ich auch als absolut starken Charakter, der es mir sofort angetan hatte. Auch wenn ich ab und zu ihre Handlungen nicht wirklich nachvollziehen konnte war sie durchweg eine starke Persönlichkeit, die ihr Schicksal mit Würde trägt.) Benedikt fiel mir vor allem durch seine träumerische Ader auf. Er ist Künstler – anfangs sind es noch Zeichnungen, später dann auch größere Gemälde – durch und durch mit einem ungewohnten Hang zum dramatisch Tragischen. Dass die Frau die Vernünftige und der Mann der romantische Träumer ist bekommt man nicht alle Tage zu lesen und so war ich erfrischt, durch den neuen Touch, der mit diesem Austausch zusammenhing. (Ab und zu fand ich es irgendwie verwirrend, wie die Beiden sich benahmen, so gar nicht wie ich es erwartet hatte. Benedikt war mir etwas zu illusionär, auch wenn ich es wirklich bewundernswert finde, dass er malt. Das hat mir wirklich imponiert und auch er war mir die meiste Zeit über sympathisch. Zusammen, geben Sophie und Benedikt zwar ein komisch verkorkstes aber irgendwie passendes Paar ab.)
Die Nebencharaktere sind am Anfang noch sehr präsent und tragen viel zur Geschichte bei, treten aber im Laufe des Buches immer mehr in den Hintergrund. Diesmal setzten sich diese fast ausschließlich aus den Verwandten, Freunden und Bekannten von Sophie zusammen. Die Bridgertons treten ein wenig in den Hintergrund. Aber genau diese Zeit braucht das Paar auch für sich, denn die beiden haben eine große Kluft zu überwinden und die benötigt vor allem Zeit. (Das stimmt, denn die Bridgertons können ganz schön dominant sein, sowohl die männliche wie auch die weibliche Seite ;))
Die Stiefschwestern von Sophie wurden brilliant charakterisiert. Es gibt die eine absolut gehässige Schwester und die andere, die die eine oder andere Wendung vollbringen kann. So bleibt alles schön wage und aufregend. (Hat mich zeitweise an Aschenputtel erinnert, was ich großartig fand, da ich das Märchen wirklich liebe.) Ebenso gut haben mir die beiden Charaktere auf dem Landsitz von Benedikt gefallen. Ein altes Ehepaar, das den Haushalt dort schmeißt solange Benedikt sich in der Stadt befindet.
Die wunderbare Lady Whisteldown ist auch wieder dabei. Sarkastisch, witzig und einfach unterhaltsam skizziert sie erneut die Gesellschaft und die Reise von Sophie und Benedikt in ihrem Journal. Wer sie ist bleibt auch am Ende dieses Bandes ein Geheimnis, aber es gibt ein paar Andeutungen, dass diese Person auf jeden Fall mit den Bridgerton verwandt oder befreundet sein muss. (Dieser Band hat Drang, herauszufinden wer Lady Whistledown ist nur noch vergrößert und so fieberte ich nicht nur mit Benedikt und Sophie sondern hoffte in jedem Kapitel etwas Neues über die mysteriöse Lady herauszufinden. Julia Quinn schafft es, dass ich es mit jedem Band spannender fand, herauszufinden wer Lady Whistledown ist und es kein bisschen nervend empfunden hatte nicht zu wissen wer sie ist. Daumen hoch, sowas schafft nicht jeder, denn normalerweise muss ich immer gleich wissen wie der Hase läuft.)
Die Handlung an sich empfand ich als wirklich gut durchdacht und spannend geschrieben. Es gibt viele wilde Wendungen, die mich ans Buch praktisch gefesselt haben. Und die abwechslungsreichen Kulissen erweiterten meinen Horizont - von der Londoner Gesellschaft zu dem Leben auf dem Land. Das war ein gelungener Kontrast zu den beiden Vorgängerbüchern und passte in die anfangs berauschende, aber dann immer mehr solide werdende Liebe zwischen Benedikt und Sophie.
Das Ende des Buches hält, was sein Genre verspricht. (Das stimmt total. Eigentlich scheint jeder Band das gleiche Konzept zu verfolgen, Mann trifft Frau und beide heiraten. Doch das trifft es nicht im Mindesten. Jeder Band hat seine eigene Geschichte die in ganz verschiedenen Bahnen verläuft und die unglaublichsten Wendungen nimmt. Alle drei Bände haben mich bisher auf ihre ganz eigene Weise in den Bann gezogen und von sich überzeugt. Jeder Charakter scheint anders zu sein und hat seine ganz eigene Geschichte verdient, die Julia Quinn mehr als würdig ist zu erzählen.)

Fazit: Für eine wunderbare Liebegeschichte allá Aschenputtel bekommt dieser Band der Bridgerton-Reihe von mir 5 von 5 Rosen. Die spannende und romantische Geschichte ist perfekt für einen schönen Tag am See.

Fazit: Toller Schreibstil, packende Handlung, wundervolle Charaktere und eine super schöne Kulisse wissen zu überzeugen. Leider waren die Charaktere für mich diesmal nicht ganz so greifbar wie in den beiden Büchern davor. Benedikt und Sophie bekommen 4,5 von 5 Schneeflocken von mir. Ich kann den nächsten Band kaum erwarten und würde am liebsten nochmal bei eins anfangen


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Nächster Band der Bridgerton-Reihe
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Der Mira-Verlag
Der Cora-Verlag
(bei jeweils beiden Verlagen fand die Autorin ein Zuhause für ihre Bücher in deutscher Ausgabe)


 Märchenhafte Grüße
Eure Rosenrot und Euer Schneeweißchen

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