Donnerstag, 10. April 2014

Filmbesprechung zu Lincoln

1864 herrschte in den Vereinigten Staaten von Amerika ein blutiger Bürgerkrieg. Die junge Nation steht vor einer Zerreißprobe, als Präsident Abraham Lincoln während dieser schwierigen Zeit wiedergewählt wird. Denn für seine zweite Amtszeit hat er viel geplant: die Beendigung des Krieges, die Versöhnung der Nord- und Südstaaten und vor allem die Abschaffung der Sklaverei. Der Film spielt in den wenigen Monaten vor seiner Ermordung am 15. April 1865. Er zeigt die politischen Winkelzüge und Koalitionen die erforderlich waren, um einen Zusatzartikel in der Verfassung aufzunehmen, der die Sklaverei ein für alle Mal aus der Welt schaffen wird. Dabei bekommt man aber auch ganz private Einblicke in den Alltag eines Menschen, der auch Familienvater und Ehemann war. 

Zuerst mal zu den Schauspielern. Daniel Day-Lewis in seiner Rolle als Abraham Lincoln brilliert mit seinen überzeugenden Darstellungen. Egal ob ausgelaugter Politiker, geerdeter Vater oder ganz der weltgewandte Präsident. Mit all seinen Facetten hab ich ihm jedes Wort geglaubt.
Alles was ich über den ehemaligen Präsidenten wusste, war die Tatsache, dass das Lincoln-Center nach ihm benannt wurde und er eben die Sklaverei abgeschafft hat. Dabei das große Ganze zu verstehen und sogar einen Blick hinter die Kulisse des mächtigsten Mannes im Land gewährt zu bekommen war unsagbar … erleuchtend. Er war eben nicht nur Stratege, sondern auch ein sehr empathischer visionärer Mann, der die Relevanz der Politik – nämlich das Volk – niemals aus den Augen verloren hat.  Er schaffte es über den Tellerrand hinauszublicken und damit andere dazu zu bringen dies ebenfalls zu tun; ihre Taten zu reflektieren und ihre Fehler zu erkennen und damit die Fehler in der Welt. Und das ist kein leichtes Unterfangen, denn wenn man mit etwas aufgewachsen ist, lässt sich das nur schwer ändern, weil es so tief und so lange schon in unserem Bewusstsein verankert ist, dass wir es nicht hinterfragen.
Ich habe den größten Respekt davor, was dieser Mann und alle Männer, die hinter ihm gestanden haben erreicht haben. Genau das transportiert der Film in einer verdichteten Atmosphäre, die es an Doppeldeutigkeit und Spitzfindigkeit nicht mangeln lässt.
Aber auch Sally Field, die Oscar-nominierte Schauspielerin, die ihm Film die Frau des Präsidenten gibt, zeigt mit ihrem Talent, wie komplex und gleichzeitig fragil Menschen sein können. Als die First Lady im Land scheint sie auf den ersten Blick sehr viel Einfluss zu besitzen, aber doch lebte sie in einer ganz anderen Zeit und schlug ihre Schlachten nicht auf Kaffeekränzchen, sondern mit einem Mann, der sie aufgehört hatte zu lieben. Im gleichen Atemzug aber war sie das Vorbild eines Volkes, das mitten im Bürgerkrieg steckte. Viel machte sie sich nie aus Politik, aber sie hatte dennoch ein Gespür dafür, wenn auch keine konkrete Ahnung.
Doch gerade diese zerbrechlichen Rollen sind schwer authentisch zu spielen, deswegen Hut ab!
Einer weiterer Nebendarsteller ist Tommy Lee Jonas in der Rolle als Thaddeus Stevens, der mit seinem gebrechlichen Körper, in einer von Kraft dominieren Welt, viel an Ansehen in Politikerkreisen eingebüßt hat. Doch zum Glück ist das Aussehen nur Schall und Rauch, denn sein Verstand gleicht dem des Präsidenten. Sein Motto lautet allerding: Der Zweck heiligt die Mittel. Diese Kombination aus Illegalität, guten Absichten und langjähriger Erfahrung ergaben einen interessante Person, dessen Gedanken ich ständig folgen wollte.
Die Handlung ans sich ist sehr gut durchdacht und hat so viele Ebenen, dass ich keine Sekunde daran zweifeln konnte, dass die damaligen Ereignisse genau so abgelaufen sind.
Etwas verwirrt bin ich anfangs in die Geschichte hinein katapultiert worden, doch Stück für Stück eröffneten sich mir die Art Schachzüge, nach denen die Menschen damals Politik betreiben mussten. Dieses intensive Mitdenken während dem Film ließ mich das Gesamtpacket nur noch mehr in den Himmel loben. Es war schwierig alle Facetten jeder Szene in sich aufzunehmen und ich war froh mir den Film auf DVD gekauft zu haben, denn manche Szenen enthalten so viel, dass man beim erstem mal schauen gar nicht alles mitbekommen kann. Da sagt ein Blick, eine Geste ein kurzes Wort tausend Gedanken. Gerade diese Mischung aus Feinfühlichkeit, großartiger Kulisse und perfekter Besetzung hat mich einfach umgehauen.
Das Ende ließ mich traurig zurück, obwohl man um den Tod der Hauptperson weiß. Aber ich habe seine Familie kennengelernt, habe seine Trauer, Wut, Verzweiflung und Freude miterlebt. Allerdings kam diese Wehmütigkeit wohl daher, dass ich dachte, jetzt kann er die Welt nicht weiter verändern. Jetzt ist einer der einflussreichsten Menschen tot, der seine Macht verdient und nie missbraucht hatte.
Er hat wirklich etwas bewegt, wer kann das heute noch bei einer „Wir-sitzen-die-Krise-aus“-Politik behaupten?
Dieser Film hat mir gezeigt, dass wir vielleicht das Wichtige im Leben aus den Augen verloren haben.
Aber vor allem – und dieser Film hätte rauskommen sollen, während der vergangenen Bundestagswahlen – hat mich dieser Film gelehrt, dass es oft als Wähler nicht darum geh herauszufinden wer das beste Wahlprogramm hat, sondern wer unter den Menschen in Berlin zu den Wölfen, wer zu den Schafen und wer zu den Hirten zählt.

FAZIT: Lincoln bekommt für seine schauspielerische Glanzleistung von mir 5 von 5 Rosen. Zusammen mit der großartigen Besetzung, den authentische Kulissen und der komplexen Handlung wurde hier ein Film geschaffen, der episch ist. Ich würde jedem empfehlen sich diesen Film nicht nur anzuschauen, sondern ihn zu kaufen und sich hundert Mal anzuschauen. Man entdeckt immer etwas neues, das die Geschichte nur noch besser macht.


Trailer
 

Kaufen bei Amazon.de

Und damit sage ich: Viel Gehirnschmalz beim Schauen!
Eure Rose

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen