Montag, 2. Dezember 2013

Tag 2: Hoffen auf den nächsten Tag von Pia Hepke

Guten Morgen ihr Lieben! Hinter dem heutigen Türchen versteckt sich Pia Hepke.
Wir wünschen euch ganz viel Spaß!

Hoffen auf den nächsten Tag

Ich weiß nicht mehr, wie ich hierher kam. Wieso war ich hier?
Jeden Tag dieselben Fragen, doch bisher keine Antworten. Ich kann nicht weg, stecke hier fest.
Es regnet. Wieder einmal. Die Erde ist schlammig und ich zittere vor Kälte. Wie sehr sehne ich mich doch nach ein wenig Wärme. Einer freundlichen Stimme, die mich willkommen heißt.
Doch alles, was ich zu hören bekomme, ist das laute Heulen des Windes. Das stetige Trommeln des Regens. Das Rauschen der Autos irgendwo in der Ferne.
Niemand hört mein Flehen. Keiner bemerkt mein Leiden.
Vielleicht, wenn meine Stimme lauter wäre? Doch ich erinnere mich noch daran, lauter geschrien zu haben. Trotzdem hat mich niemand gehört. Oder vielleicht wollte mich auch niemand hören?
Vielleicht war ich zu Recht hier ganz alleine? Ich konnte mich nicht erinnern, etwas falsches getan zu haben. Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass ich es nicht dennoch getan haben könnte.
Ich hatte mir schon so oft Gedanken darüber gemacht, dass mir schon lange nichts neues mehr einfiel.
Jeden Tag dieselben Gedanken, dieselben Überlegungen, dieselben Sorgen, dieselben Ängste.
Was, wenn nie jemand kommen würde, um mich zu retten? Nie jemand kam, um mich zu befreien?
Ich hoffte jeden Tag aufs Neue, dass jemand kam. Hatte bis zum Ende des Tages die Hoffnung nicht aufgegeben. Bis heute nicht.
Was blieb mir denn auch anderes, als die Hoffnung? Der Regen, die Kälte, der Hunger? Keine Angenehmen Begleiter.
Mein Hals schmerzte von der engen Schnur, die mich hier gefangen hielt. Mein Fell war nass bis auf die Haut und außer Schlamm roch meine Nase schon lange nichts mehr. Meine Pfoten hatte ich unter meinen Körper geklemmt, doch wärmer war mir deswegen nicht.
Ich schloss die Augen und ließ den Kopf auf den matschigen Boden sinken. Langsam schlossen sich meine Augen und die Welt um mich herum versank in Dunkelheit. Alles, was ich noch wahrnahm, war das stetige Trommel des Regens auf meinem Körper.
Ich träumte von meinem früheren Zuhause. Die Erinnerung der Wärme durchdrang meinen Körper und sperrte die kalte Realität aus. Sanfte Hände streichelten meinen Rücken, massierten meine Ohren. Zärtlich flüsterte man mir Worte ins Ohr, die ich nicht verstand. Für mich zählte einzig und allein die Stimme, der Tonfall. Die liebe, die in all dem mitschwang.
Womit hatte ich es nur verdient, diese Liebe zu verlieren?
Ganz allmählich sank mein ausgemergelter Körper zur Seite. Der Regen hatte aufgehört, doch es war mir nicht mehr möglich, mich über die Sonne zu freuen. Meine Hoffnung war versiegt. Und mein Leben mir nichts mehr wert.
Es würde ohnehin nichts wieder so werden wie früher, wozu also weiter hoffen? Es würde ja doch nichts ändern. Je früher ich das einsah, desto eher würde dieser Schmerz aufhören.
Ja, das war es wohl, was ich wollte. Ein Ende von alle dem.

Als ich wieder zu Bewusstsein kam, hatten sich meine Träume erfüllt. Mein Fell war trocken und von jedwedem Schmutz befreit. Es fühlte sich ganz weich an.
Ich kuschelte mich ein wenig tiefer in die warme Decke, in die ich eingewickelt war. Wollte diesen herrlichen Traum noch ein wenig länger festhalten. Denn endlich waren all meine Ängste, all meine Sorgen und meine Schmerzen verschwunden. Keine Schnur mehr um den Hals, die mich dazu verdammte an jenem schrecklichen Ort zu verweilen.
Und jetzt schien all das nicht länger wichtig. Ich kam mir vor, als sei ich ihm Himmel gelandet.
Doch ich glaubte nicht daran, im Himmel zu sein. Denn ich konnte mich nicht erinnern, dass ich gestorben war.
Doch darüber würde ich mir morgen den Kopf zerbrechen. Denn endlich würde es wieder ein Morgen geben, auf das ich mich freuen konnte. Einen Tag, den ich herbei sehnen konnte. Nicht wegen der Hoffnung auf Erlösung oder Besserung, sondern nur, damit er mir zeigte, dass endlich alles gut werden würde.
Ich hatte wieder ein Zuhause. Und die Stimmen um mich herum verrieten mir, dass ich auch endlich wieder eine Familie hatte. Eine Familie, die mich liebte und mich nie wieder würde hergeben wollen.
Ich hatte es geschafft, dass meine Hoffnungen wahr geworden waren.
Hier wollte ich den Rest meines Lebens verbringen. Hier wollte ich alt werden.
Denn hier gehörte ich hin. In die Hände dieser Menschen, die mich zu schätzen wussten. Die mich nie würden hergeben wollen.
Ich war glücklich. Nach so langer Zeit der Ängste und der Zweifel war ich endlich wieder glücklich. Konnte auf ein ganzes Leben voller Glück hoffen und nicht nur auf einen einzelnen Tag.
Und ich würde es zu schätzen wissen. Ich würde all das Glück, welches ich bekam um ein Vielfaches zurückgeben.
Ich war nicht egoistisch und dachte nur an mich. Nein. Denn alles, was ich wollte, war, dass man mich mochte. Mir einen warmen Platz zum Schlafen gab und mich lieb hatte. Und dass ich jemanden hatte, den ich meinerseits liebhaben durfte.
Ich wollte erwünscht sein. Und genau das schien ich hier zu sein. Ich spürte die federleichte Berührung auf meinem weichen Fell. Außerdem hörte ich das freudige Quietschen, als die Hand zurück zuckte. Entspannt atmete ich aus. Das würde ein wunderbares Leben werden.


Liebe Pia, wenn du eine Buchfigur sein könntes, welche wärst du dann?
Ich wäre definitiv ein Tier. Vll Das letzte Einhorn oder aus Narnia der Löwe Aslan. Auf jeden Fall muss das Tier sprechen können und irgendwie majestätisch sein
Pia Hepke
(Copyright: Pia Hepke)


Wir danken dir liebe Pia!

Der Text ist geistiges Eigentum des Autors und daher liegt das Copyright bei dem Autor.

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